Schaffhauser
Nachrichten, Dienstag, 22. Januar 2002 (Ursula Noser)
"Konzert - Der schillernde Glanz des Echten"
Die Walliser kamen, die Luzerner, Limmattaler, die Stadtjodler, Rhyfalljodler
- und natürlich die Landsleute des 1916 gegründeten Appenzellervereins
von Schaffhausen und Umgebung.
Eine Freude für den Präsidenten Josef Anderegg war es auch, das
namhafte "Schötzechörli" aus Stein in Schaffhausen willkommen
zu heissen. Mit dem "Echo vom Säntis" aus Hundwil war dazu
die Gewähr geboten, jene unverfälschte Streichmusik mit Hackbrett
zu vernehmen, wo Schottisch, traditionelle Polkas und gestrichene Zäuerli
einen mitnehmen in die lieblichen Klanggefilde der rein überlieferten
Kompositionen, etwa mit dem G-Walzer in Moll, der seit 1870 gespielt wird
und heute noch tief berührt.
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"Der
Emil spielt Hackbrett" - gemeint ist der Zimmermann Emil der
legendären Streichmusik Alder -, wurde von Willi Alder und den
Mannen an Harmonika, Geige und Bass herzerwärmend wiedergegeben.
Offen waren die Gemüter schon durch die schmucke Perfektion des
jährlichen Anlasses: Mit Rosen geschmückte Tische, handgearbeitete
Tanzabzeichen, vollendeter Trachtenstaat, Begrüssung in herzlicher
Kameradschaft und das miteinander gesungene Landsgemeindelied: |
"Alles Leben strömt
aus Dir." Der Text stand im Programmheft; die meisten konnten ihn auswendig.
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"Schötzechörli" zog jodelnd und mit prächtigen
Senneschellen ein. Sein Klangreichtum machte dem hohen Ruf alle Ehre.
Am unmittelbarsten trat dies beim "Zauern" in Erscheinung:
Wenn über den "Gradhebe" des Dreiklanges von beachtlichem
Bass, schönen Tenören und gefälligen Baritonstimmen
die Melodik der Jodel vielstimmig solistischen Schmuck glänzen
lässt. |
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Ganz innen im Gemüt
wird begriffen, dass das Ur-Echte seinen hohen Wert behalten hat, gerade
wie ein kulturelles "Gradhebe" in der Schwemme des Banalen, welches
niemals heranreichen wird an die Schönheit dieser Qualität. Beträchtlich,
wie viele Junge ihre Sangeslust mitströmen lassen und zu guten Solistenleistungen
gewachsen sind. "Nomol es Zäuerli mee" wollten und bekamen
die Leute. "Chläusis" und "Oeses Stää"
hatten gefallen. Manche fühlten sich dabei "glücklich ond
dehee" gemäss dem Titel.
Als dann noch beim "Hierig" ein Trachtenpaar ein Glanzstück
pantomimischer Tanztradition der Appenzeller zeigte, freuten sich alle an
dieser musischen "Ehetherapie" von zwei Selbstver-antwortlichen.
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Es fehlte keineswegs
das Salz in der Suppe; die köstlichen Tanzschritte und Gebärden
sprachen Bände.
Wieder ging es
"Loschtig ond fidel" zu mit der Kapelle. Die Bühne
wurde zurechtgemacht, während es nach "Südworscht"
duftete, Lose verkauft und Freundschaften besiegelt wurden.
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Nach
der Pause öffnete sich der Vorhang zum Dreiakter "Flitterwuche
z siebet" unter der Regie von Peter Müller. Die Volkstheatertalente
des Vereins hatten brav gelernt und geprobt und brachten das Lustspiel
durch zahlreiche Beziehungsspannungen zum minniglichen Ende. Hellauf
begleitete immer wieder Gelächter die Verwicklung von brenzligem
Verhalten, Eifersucht und kurzzeitigem Versöhnen. Alles ging
prächtig über die Rampe. |
Jodellieder, zuletzt mit den Delegationen gesungen, leiteten über zur
Tanzmusik beim aktiven Teil für die Zuschauerinnen und Zuschauer im
Hombergerhaus. Alles lockte zum Tanz. Juzzer sind dabei wie die obligaten
Witze Selbstverständlichkeit geworden."
Publiziert mit freundlicher Erlaubnis der Verfasserin, Frau Ursula Noser
der "Schaffhauser Nachrichten" |